Aktion „Fahrrad in die Landeshauptstadt bringen“

Okay, ich bin im Moment nicht die Glücklichste. Es geht mehr bergab als bergauf. Oder eher: es geht bergauf, anstrengend, Schritt für Schritt, Richtung Gipfel, der nicht zu erreichen scheint, zu erschöpft um stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen, einfach weiterlaufend, immer mit der Sehnsucht endlich oben anzukommen…ihr versteht?
Auf jeden Fall versuche ich mir das Leben etwas glücklicher zu gestalten, soweit es halt geht. Am Freitag schoss mir eine Idee durch den Kopf, und nach einigen Textnachrichten war es so halbwegs beschlossene Sache. Der einzige Haken: ich brauche endlich ein Fahrrad hier! (Und ja Linda, du bist immer noch dran Schuld ;) Oder eher: du warst der Anstoß! Klingt netter.)
Beim Geburtstagsessen meiner Mama beim Chinesen: „Sagt mal, haben wir eigentlich noch ein Fahrrad, was wir nicht brauchen?“ – „Ja, das alte von Mutti, müsstest du aber noch herrichten.“ – „Okay.“
In der Garage meines Opas hing es dann tatsächlich…ziemlich verdreckt und auch keine Luft mehr auf den Reifen, aber soweit noch ganz okay. Also habe ich mich in den Garten begeben und (bevor alle Geburtstagsgäste erschienen) mich ans Werk gemacht, mit Lappen und Musik bewaffnet, wurde das Rad wieder auf Vordermann gebracht:
IMG-20140823-WA0000Der Opa half mir mit dem Kompressor (per Hand Luft aufpumpen ist doch auch ganz schön altbacken) und schon war das gute Ding wieder fahrtüchtig. Ich war so aufgeregt, dass ich in der Wohnung rumlief und wiederholt rief: „Ich hab ein Fahrrad, ich hab ein Fahrrad!“ Ich weiß nicht mal, warum ich so aufgeregt darüber war, denn eigentlich habe ich sogar mein Eigenes, warum auch immer ich das nicht mit hierher nehmen wollte.
Einen Namen brauchte das Rad noch. Damit beauftragte ich meinen Bruder, der vergibt immer Namen, z.B. an Wasserbehälter (Manfred) und Rasenmähroboter (Sven). Seine Frage: „Männlich oder weiblich?“ – „Weiblich!“ Er schaut es sich an und sagte: „Hannah!“ – „Wie Oma?“ – „Nein mit einem h am Ende.“ – „Okay, also Hallo Hannah, von vorne, wie von hinten.“
Nun war es schon Sonntag und es hieß Hannah zum Bahnhof bringen, sind zum Glück nur 5km bis zum nächsten Bahnhof, so kam ich untrainiertes Wesen nicht ganz außer Puste, und durch Baustellen waren die Straßen schön leer. Und auch meine Reisetasche war nicht allzu schwer, und so ein Korb am Fahrrad ist auch recht praktisch.
Bahnhofsfahrstühle sind übrigens anscheinend nicht für Fahrräder gedacht, das ist auch ’ne Kunst die arme Hannah da reinzukriegen. Nun kam aber das eigentliche Abenteuer: mit dem Fahrrad Zug fahren.
IMAG0983Habe ich vorher noch nie gemacht und ich war schon stolz auf mich zu wissen, dass ich in unserem Bundesland nichts für Hannah bezahlen muss, ich glaube das ist nicht überall so. Aber wie ihr sehr hatte die Gute genug Platz. Noch. Denn:
IMAG0984Eingequetscht war sie, die Arme :/ Aber Gott sei Dank sind die zwei Fahrräder davor noch vor mir ausgestiegen, sodass ich in Ruhe wieder meinen Korb anstecken und mich auf den netten hohen Ausstieg am Bahnhof vorbereiten konnte. Aber siehe da: der Fahrstuhl hier war einen Tacken größer, sodass man keine Platzangst kriegen musste.
Den Weg zu meiner Wohnung kannte ich sonst nur zur Fuß (so wie fast alles andere in dieser Stadt)…mit dem Fahrrad ist es echt saubequem. Da kriegt man einen ganz anderen Blick!
IMAG0986Und nun habe ich Hannah auf dem Innenhof eingeparkt. Wenn es dann kälter wird, werde ich sie wohl in den Keller stellen müssen, aber bis dahin kann sie noch die frische Luft genießen ;)
WILLKOMMEN HANNAH IN DER LANDESHAUPTSTADT! Ich freue mich :)

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Wusstet ihr schon? #3

Umso öfter man ein Wort in kurzer Zeit schreibt, umso komischer sieht es aus. „Wusstet“ zum Beispiel.
Dezember12-223Dezember12-224Dies ist ein westlicher Kleiner Panda. Und er ist mir sogleich ans Herz gewachsen, als ich ihn im Leipziger Zoo bei ungemütlicher Kälte entdeckte. Dies ist zwar schon ein Weilchen her, aber was soll’s?

In meinem Kopf schwirren so viele „Wusstet ihr schon?“-Ideen. Na mal sehen, ob ein paar brauchbare dabei sind.

Ich kann bei Zugdurchsagen oder lauten Stimmen nicht lesen.
Und das ist mir gerade erst wieder aufgefallen. Ich bin total vertieft an der Seite von Sherlock Holmes im späten 19. Jahrhundert und schwupps reißt mich die Durchsage für die nächsten Anschlusszüge völlig aus dem Konzept. Ich kann mich auf kein einziges Wort mehr konzentrieren. Und will ich es versuchen, weiß ich den Inhalt der Seite nicht mehr.

Ich habe ein berufsbedingtes Problem. Es muss alles seine Ordnung haben.
Gerade erst gestern war ich im Zimmer meines Bruders und sah im Regal seine ganzen X-BOX und PC-Spiele, sowie diverse DVDs. Alle durcheinander natürlich. Er hat mir tatsächlich erlaubt sie ordentlich nach dem Alphabet zu sortieren.
Bei Büchern ist es noch schlimmer: alles nach Autor (Titel geht gar nicht) und dann auch bitte so wie auf Arbeit, also so wie ich es gelernt habe. Die einzige Ausnahme ist mein Zimmer Zuhause. Da stehen alle Bücher kreuz und quer, aber komischerweise stört es mich da auch nicht.

Das waren zwei Eigenheiten von mir. Aber ich finde die sind okay.
Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und noch einen erholsamen Sonntagabend :)

vom Zugfahren, Kindsein und Theaterproben

Ist euch schonmal aufgefallen, wenn man abends Zug fährt, alles ist wie im Film. Ihr wisst schon, diese Szenen, wenn die Figuren in Zügen, Straßenbahnen oder anderen schienenförmigen Verkehrsmitteln sitzen, beinahe menschenleer und vor sich hinstarren. Denn nach draußen kann man nicht mehr schauen. Schaut man aus dem Fenster, sieht man nur noch seiner selbst. Die Figuren sehen dann meist immer sehr nachdenklich, traurig und niedergeschlagen aus.
Genauso fühle ich mich, wenn ich nach einem Spätdienst nach Hause fahre. Und in den Wintermonaten bald, wahrscheinlich immer.

Nach der Arbeit sehe ich oft spielende Kinder. Dann gehe ich immer seufzend vorbei und wünsche mir, auch noch einmal so unbeschwert durch die Gegend laufen zu können. In einem Leben in dem die schwerste Entscheidung war, mit was ich spielen soll oder welchen Buntstift ich wählen sollte. Aber wahrscheinlich leiden noch so viele an dem Peter-Pan-Syndrom.

Neben der Bibliothek, in der ich arbeite, befindet sich das Theater. Wir teilen uns sogar einen Hinterhof. Das heißt auch, dass wir des öfteren Proben mit anhören können. Meist wird es nervig, wenn sie ein paar Stunden lang, immer die gleichen 20 Sekunden und ihre Einsätze üben. Aber heute, heute haben sie „Ich hab getanz heut Nacht“ aus „My fair Lady“ geprobt. Schon nach kurzer Zeit summten die Kollegen mit und wollten Walzer tanzen. So macht die Arbeit doch gleich noch viel mehr Spaß.