Rezension: „Die Frau, die nie fror“ von Elisabeth Elo

März14-001Pirio Kasparov ist eine toughe Frau Anfang 30, lebt in Boston, ihre Eltern stammen aus Russland. Mit ihrem Kumpel Ned war sie mit dem Fischerboot unterwegs bei dem auf einmal ein Riesenschiff in den kleinen Kutter kracht. Ned bleibt verschwunden und Pirio überlebt, wie durch ein Wunder, mehrere Stunden im kalten Wasser. Nach einiger Bedenkzeit will sie rausbekommen, welches Schiff sie da gerammt hat. Dabei kommt sie auf die merkwürdigsten Dinge und begibt sich bald selber in Gefahr. Darüber hinaus geht es um ihre Familie, ihre verstorbene Mutter, die ein Parfum-Imperium hinterlässt und ihren steinherzigen Vater, der nichts mit der amerikanischen Kultur anfangen kann. Auch Thomasina und ihr Sohn Noah (Sohn von Ned) spielen eine Rolle. Letztendlich führen alle Stricke zusammen.
Ich bin mit dem Roman einfach nicht warm geworden und habe auch deswegen so lange gebraucht. Mir waren es zu viele Geschichten auf einmal. Man hätte so einiges nicht gebraucht, um die Hauptgeschichte zu verstehen, die durchaus interessant war. Auch manche Handlungen der Hauptperson Pirio kamen mir schleierhaft und unglaubwürdig vor. Und zum Schluss war auch alles ziemlich an den Haaren herbeigezogen und es wirkte, als wollte die Autorin einfach nur noch fertig werden.
Leider kein Buch, dass mich in den Bann gezogen und überzeugt hat. Schade.

Allerdings bin ich noch über ein Zitat gestolpert: „Manchmal löst man knifflige Probleme am besten, indem man sie eine Zeitlang ignoriert. Es ist, als würden sie begreifen, dass sie nicht deine hysterische, von Sorgen geplagte Aufmerksamkeit beherrschen und dann einverstanden sind, kleiner und vernünfitger zu werden.“

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Rezension: „Wir in drei Worten“ von Mhairi McFarlane

November13-005Als erstes muss ich mein Unverständnis über den deutschen Titel wiedergeben. Nach knapp 500 Seiten habe ich noch nicht ganz begriffen, was es mit diesen drei Worten auf sich hat. Da wirkt der Originaltitel „You had me at hello“ schon passender. Aber es ja nur der Titel, es kommt auf den Inhalt an und der war hervorragend.
Rachel und Ben lernen sich an der Uni in Manchester kennen, beide sind im selben Englisch-Kurs. Ben kommt als Mädchenmagnet rüber und hat zig Freundinnen. Rachel ist schon länger mit Rhys zusammen und scheint mit ihm auch ganz glücklich zu sein (ehrlich gesagt, ist er mir von Anfang an ein bisschen unsympathisch). Ben und Rachel sind unzertrennliche Freunde. Die Geschichten der Uni-Zeit werden in Rückblenden erzählt und gerade manche Wortwechsel fand ich echt witzig und brachten mich zum Schmunzeln.
Die eigentliche Geschichte spielt 10 Jahre später, wieder in Manchester. Rachel ist Gerichtsreporterin und hat gerade ihre Verlobung mit Rhys aufgelöst. Zufällig trifft sie Ben wieder. Seit 10 Jahren haben sie sich nicht mehr gesehen. Denn vor 10 Jahren ist etwas passiert, über das beide seitdem nie wieder gesprochen haben.
Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen. Wie schon erwähnt, fand ich manche Dialoge sehr gelungen. Auch wenn es gerade todernst herging, verstand es die Autorin mit etwas unerwartet lustigem aufzubieten. Die Geschichte an sich ist teils vorhersehbar, aber doch sehr berührend. Auch ein paar Tränchen haben ich vergossen.
Alles in allem ein sehr schöner Roman, der sich locker flockig lesen lässt. Sehr zu empfehlen.

Rezension: „Journeyman“ von Fabian Sixtus Körner

November13-001November13-002Manche Reisebücher verleiten einen gleich dazu aufzuspringen, die Tasche zu packen und loszuziehen. Auch wenn nur in Gedanken. Dieses gehörte nicht zu dieser Kategorie. Was aber nicht heißen soll, dass es nicht interessant war. Es waren aber nur einfach nicht „meine“ Länder.
Fabian (fabsn.com) beschließt auf die Walz zu gehen. Sozusagen wie die Wandergesellen früher. Er möchte um die Welt reisen, und dabei seine Arbeitsdienste für Kost und Logis anbieten. In den verschiedensten Ländern und auf den verschiedensten Kontinenten arbeitet er als Architekt, Fotograf und Grafikdesigner. Es gibt Hoch- und Tiefpunkte, aber immer ist eine Erfahrung. Er beschreibt sehr gut die unterschiedlichen Kulturen und Sitten, die Freiheit in den einen Ländern,  die Gefahren in den anderen.
Unterteilt ist das Buch in die verschiedenen Länder auf seiner Reise. Zahlreiche Bilder (wirklich sehr schöne) bieten auch noch einen anderen Eindruck.
Alles in allem kann ich dieses Buch wirklich jedem Fernwehgeplagten empfehlen, man „sieht“ viel von der Welt und vor allem lernt man dazu. Ich möchte auch nicht zu viel verraten, denn Fabians Welt sollte man schon selbst entdecken, es lohnt sich.

„Mein eigenes Bett ist die einhundertzweiundsechzigste Schlafgelegenheit seit Beginn meiner Reise. 64 Betten, 12 Couchen, 7 Matratzen, 2 Zugpritschen, 1 Isomatte sowie zahlreiche Sitzgelegenheiten während nächtlicher Reisen in Bussen, Jeeps und Flugzeugen, bei denen mich der Schlaf übermannte.“

Rezension: „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“ von Sven Hannawald

September13-011Ich bin ein interessierter Wintersportfan, was das Angucken angeht. Auch Skispringen verfolge ich nebenbei mit. Sven Hannawalds Höhenflug habe ich allerdings nur am Rande mitbekommen, da ich zu der Zeit wohl noch zu jung war. In der Saison 2000/2001 gewinnt er als erster in der Sportgeschichte alle vier Springen der Vierschanzentournee, sein Höhenflug. Danach geht es abwärts, noch ein paar Siege doch bald keine Kraft mehr für den Sport, es folgt der Absturz, das Burn-Out. Nach langen Jahren und Therapien ist er wieder im Leben angekommen.
In dem Buch beschreibt er seine Kindheit in der DDR, im Erzgebirge, wo er schon früh für sich selber Verantwortung tragen muss und später im Sportinternat untergebracht wird. Nach der Wende geht er in eine Sportschule in den Schwarzwald und danach beginnt seine Karriere als Skisprungwunder.
Gespickt ist das Buch mit allerhand Skisprungwissen, wahrscheinlich kann ich nun theoretisch auch von so einer Schanze springen, wäre da nicht so eine lästige Höhenangst.
Es hat mir mehr persönliches gefehlt. Das Interview mit seiner Therapeutin über die Krankheit ging schon in diese Richtung, doch sonst kam da nicht viel. Vieles weiß man sicherlich schon aus der Presse, nur dass man es jetzt nochmal aus erster Hand hat.
Alles in allem eine interessante Autobiographie, die sich vor allem durch die vielen Bilder schnell lesen lässt, aber wo es doch an ein bisschen Persönlichkeit fehlt.
September13-012

Rezension: „Ein Jahr voller Wunder“ von Karen Thompson Walker

„Stellen Sie sich vor, die Zeit rennt Ihnen davon…“

Sie fängt einfach an, die Verlangsamung der Erde. Der Planet dreht sich einfach langsamer. Den 24h-Tag wird es bald nicht mehr geben. Minute um Minute kommt hinzu, der Tag wird immer länger, später ist ein Tag nicht mehr ein Tag, sondern schon mehrere. Die Menschheit muss sich umstellen, soweit es geht. Pflanzen und Tiere sterben, das Gleichgewicht kommt aus dem Takt, eine Schwerkraftkrankheit hat viele Menschen im Griff, Persönlichkeiten verändern sich, es ist auf einmal nichts mehr, wie es einmal war.
Mai13-025Die Geschichte wird aus der Sicht der 12-jährigen Julia aus Kalifornien erzählt. Neben den Veränderungen auf der Welt und in ihrer Umgebung, möchte sie manchmal einfach nur ein normaler Teenager sein. Doch das gelingt in Anbetracht der Dinge nicht immer. Wale stranden an der Küste, die Gezeiten sind völlig durcheinander, in der Dunkelzeit sieht man bis zum Äquator Polarlichter, es schneit auf einmal. An langen hellen Tagen heizt sich die Erde viel zu sehr auf. Es gibt bald Engpässe bei allem möglichen. Doch verliebt sie sich auch in einen Jungen, versucht mit sich selber klar zu kommen und verbringt den üblichen Tag in einer amerikanischen Highschool.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Normalerweise bin ich für solche Science-Fiction nicht zu haben, aber dieser Roman war komplett anders. Es lag an der einfach Sprache Julias, einem Mädchen, dass schon in jungen Jahren über ihr Leben nachdenken muss, wo man normalerweise einfach nur lebt. Immer wieder kommt es zu kleinen und großen Katastrophen, die unbemerkt schon vorangekündigt werden. Der Roman hat mich nachdenklich gemacht. Wie schnell kann sich alles ändern? Und was ist wirklich wichtig im Leben?
Ein sehr schöner, gefühlvoller und bewegender Roman.

„…würden Sie dann merken, dass Sie sich immer um die falschen Dinge gekümmert haben?“

Rezension: „Die Leute, die sie vorübergehen sahen“ von Scott Bradfield

Februar13-011Salome wird mit drei Jahren aus ihrem Elternhaus entführt. Der Entführer: Der Mann, der den Boiler reparieren sollte. Er hat die kleine blonde Sal mit dem rosa Kleid und den rosa Schuhen mitgenommen, weil er ihr ein besseres Leben ermöglichen will. Ein Leben fern ab von der normalen Gesellschaft. Ein Leben in sogenannter Freiheit. Doch schon bald lässt ihr neuer Daddy (wie sie ihn nennt) sie wieder allein und sie muss sich als kleines Mädchen alleine durch die Welt schlagen. Sie gerät an die verschiedensten Menschen, beobachtet, macht sich ihre Gedanken und wandert immer weiter, zu neuen Menschen, die sie wieder für kurze Zeit aufnehmen. Immer und immer wieder.
Die Geschichte wird aus Sals Blickwinkel erzählt und das ist genau der Punkt, der mich so gestört hat. Keine 3-Jährige hat so tiefgründige Gedanken über die Welt und ihre Gesellschaft. Zum Ende der Geschichte ist Sal ca. 7 oder 8 Jahre alt (schätze ich) und äußert Sachen auf die ich mit meinen 21 Jahren noch nie gekommen bin. Vielleicht soll dies ja der besondere Aspekt des Buches darstellen, aber bei mir hat es leider das Ziel verfehlt. Ich fand es zu unrealistisch. Allerdings, die Gedanken, die sie dann hatte, waren sehr gut, aber halt nicht ihrem Alter entsprechend.
Das Buch ist in Kapitel mit relaitv kurzen Abschnitten eingeteilt, sodass es perfekt zum Bahnfahren geeignet ist. Die Geschichte an sich ist sehr interessant und ich wollte auch unbedingt wissen, wie es zum Schluss ausgeht. Aber das junge Alter und die reifen Aussagen der Protagonistin waren für mich ein Störfaktor.
Alles in allem kein schlechtes, aber auch kein super gutes Buch.

Danke an Vorablesen für dieses Buch. Es bleibt mir auf jeden Fall im Gedächtnis.

Rezension: „Der Mann, der den Regen träumt“ von Ali Shaw

Elsa flüchtet aus dem großen und lauten New York in eine kleine einsame Stadt names Thunderstown. Sie möchte wieder zu sich selbst finden, nachdem ihr Vater bei einem Unwetter gestorben ist. So lässt sie ihre ganze Familie zurück und findet bei Kenneth in Thunderstown Unterschlupf. Schon bald kommen ihr die Menschen in diesem Ort komisch vor und auch die Tiere drum herum wirken mysteriös auf sie. Sie beobachtet, wie ein Mann namens Daniel einen streunenden Hund einfach so das Genick bricht und die Menschen im Ort das auch noch toll finden. Auf einem ihrer Spaziergänge durch die Berge entdeckt sie Finn, der gerade dabei war, sich in eine Wolke aufzulösen. Sie ist fasziniert von diesem Mann und schon bald entwickelt sich eine große Liebe daraus. Doch die beiden müssen sich in Acht vor den Bewohnern der Stadt nehmen, die in allem, was sie nicht erklären können, den Teufel sehen.Januar13-003
Ich war von Anfang an von diesem Buch fasziniert. Die Idee, dass das Wetter menschliche Gestalt annehmen kann, finde ich gelungen. Der Schreibstil war flüssig und die Charaktere waren mir allesamt sympatisch (außer natürlich die, die es von vornherein nicht sein sollten). Nur manche Wetterbegriffe sind mir etwas fremd, aber die stören beim Lesen überhaupt nicht. Den englischen Titel „The Man Who Rained“ finde ich passender, als den deutschen. Denn Finn drückt all seine Emotionen über das Wetter aus und vom Träumen ist eigentlich gar keine Rede.
Alles in allem ein gelungenes und sehr zu empfehlendes Buch.