vorbei

Der Urlaub ist fast vorbei. Und meine Nerven und mein Verstand haben sich Stück für Stück verabschiedet. Noch ein Tag länger Zuhause und ich würde wahrscheinlich durchdrehen. Was freue ich mich auf meine eigenen vier Wände heute Abend.
Ich bin im Moment ziemlich durch mit allem, kann daran liegen, dass ich vergesse habe meine Tabletten zu nehmen, kann aber auch nur an der Umgebung liegen. Ich könnte jedes Mal schreien, wenn jemand in meiner Nähe ist. Heute morgen halb 10 (ich lag noch gemütlich im Bett) ruft meine Mutter an um mir mitzuteilen, dass sich gerade ein Kind bei ihr auf Arbeit übergibt. ICH WILL DAS NICHT WISSEN! Schon gar nicht am Morgen als Erstes. Und dann geht man zum Mittagessen bei den Großeltern, erfährt dass ein guter Bekannter verstorben ist und sie tun so als ob es das normalste der Welt ist. Es wird einfach der nächste Dorfklatsch erzählt. Das macht mich WAHNSINNIG!
Meine Serien-Pause habe ich auch nicht einhalten können, habe Friends geschaut um mich abzulenken und auf andere Gedanken zu kommen. Gedanken, die sich nicht mit dem Wahnsinn hier befassen.
Es macht mich traurig, dass zu denken, was ich denke. Ich würde gerne wieder nach Hause fahren und mich darauf freuen, gar nicht wieder wegwollen und alle vermissen. Aber jede Minute hier war ein Kampf. Ich war nur ein Schatten meiner selbst, ich erkenne mich selber nicht mehr. Kann ein Mensch sich so sehr verändern, dass er sich selber nicht mehr erkennt?

Kennt ihr das?

Ihr liegt im Bett, wollt schlafen und der Kopf brummt? Also ich meine jetzt keine Gedanken. Ich meine ein echtes Brummen. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob nicht bei meinen Nachbarn ein Generator steht, der schon die ganze Zeit brummt. Oder ob ich es nur höre.
Die Depression war immer in einem Fall atypisch: ich konnte normal schlafen. Davon kann ich mich jetzt wohl verabschieden, dank dem elenden Brummen.
Ich hab es so satt mir auf Arbeit den Arsch aus der Hose zu lächeln, obwohl ich da anscheinend der letzte Popel bin. Und Zuhause sitze ich apathisch vor dem Fernseher und bin nicht mehr ich selber. Aber wer bin ich auch schon?
Ach ja, jemand der ein Brummen im Kopf hat.

Das war das Wort zum Samstag. Gute Nacht. Brumm brumm.

I just wanna feel something today


Wenn der eigene Kopf einen immer wieder runterziehen will (und das tut er in den letzten Wochen viel zu sehr und zu oft), muss man einfach in eben diesem immer wieder „I just wanna be ok, be ok, be ok.“ vorsingen. Ob es der Kopf will oder nicht. Denn auf ihn nehme ich keine Rücksicht mehr.
Er verursacht Kopfschmerzen. Er verursacht Schwindel. Er verursacht schnelle Erschöpfung, so schnell, dass ich mich schon nach einem Gang zum Briefkasten auf eine Bank setzen muss. Er verursacht ständige Müdigkeit.
Ich hab darauf keine Lust mehr, ich will wieder über etwas positiveres berichten. Einen Schritt habe ich schon getan, doch leider ist er missglückt. Aber ich darf jetzt nicht aufgeben.
Denn: I JUST WANNA BE OK!

ein guter Samstag

Messe13-126Es war wirklich ein guter Samstag, nach dem Samstag, der so vieles veränderte. Es war der beste Samstag seit langem. Ich habe gelacht und mich amüsiert. Ich habe Fotos gemacht, ich habe mir die Stadt angeguckt. Und ich habe für einen Tag das Es besiegt, dieses Biest in mir, das es mir unmöglich macht, mich normal zu verhalten. Es wollte öfters an die Oberfläche, aber ich habe es nicht gelassen. Ich möchte den schönen Samstag so in Erinnerung behalten, fröhlich und gelassen.
Doch der Sonntag macht schon wieder alles zunichte. Es lässt sich nicht einfach unterdrücken oder verjagen. Es ist immer da.

kriechen

Du hast Spaß, lachst und bist unter Freunden.
Du ignorierst das Grummeln im Bauch.
Du merkst es erst, als es schon zu spät ist.
Du lachst weiter, du machst weiter.
Die Fassade bröckelt.
Von Innen kriecht etwas heran, erst der Magen. Du hast keinen Hunger mehr, der Appetit ist dir vergangen. Wie immer.
Du konzentrierst dich.
Du willst nicht, dass es überhand nimmt.
Doch es kriecht weiter. Unaufhörlich.
Du fühlst dich unwohler, du bezahlst.
Du lachst noch einmal, siehst die anderen weiterziehen.
Du gehst durch die dunklen Straßen, du könntest rennen.
Die Nägel bohren sich in die Haut. Du versuchst den Schmerz abzulenken. Doch es kriecht weiter.
Du läufst schneller, steckst endlich den Schlüssel ins Schloss. Bist in der Wohnung, genießt die Stille, doch dein Kopf führt weiter Monologe.
Du ziehst dich um, gehst ins Bad. Im Spiegel steht dir eine fremde Person gegenüber. Ausgezehrt, blass.
Du wendest den Blick ab und gehst ins Bett.
Der Kopf berührt das Kissen.
Und wieder hoffst du, es geht vorbei.

wildes Wasser

Norwegen13-338Da denkst man, man ist zur Ruhe gekommen, fließt so vor sich hin, und da fährt man auf einmal schon wieder auf Wildwasser zu. Es geht zu schnell und ich habe die gute Stimmung wahrscheinlich auf die leichte Schulter genommen. Aber ich bin jetzt schlauer, ich kümmere mich gleich, versuche so schnell wie möglich einen Plan für die Zukunft zu haben. Zumindest einen vagen. Und vielleicht hören dann auch endlich die verstörenden Träume auf, in denen ich immer herzergreifend schluchze und weine. Und wer den Schluchz-Schmerz kennt, weiß das er heftig sein kann, so heftig, dass man aufwacht, obwohl man in Wirklichkeit ja eigentlich gar nicht geschluchzt hat.
Man muss in die Zukunft sehen, ich muss durch das Wildwasser durchrudern. Aber noch bin ich ja nicht mal direkt drin.

der erste Schritt

„Ich glaube ich habe Depressionen.“
Immer wieder wiederholte ich diesen Satz in meinem Kopf.
Ich tat den ersten Schritt und ging zu meiner Hausärztin. Das klingt im Nachhinein so einfach. War es aber absolut nicht. Ich hatte große Angst vor heute. Der ganze Tag war wie im Nebel, ich wollte es endlich hinter mich bringen.
Beim Arzt wurde mir der Puls gemessen. 130.
Und dann sollte ich erzählen. Und alles war wie zugeschnürt. Selbst wenn ich es gewollt hätte, es kam nicht viel aus meiner Kehle. All die Sätze in meinem Kopf waren verpufft, ich war wie gelähmt.
„Wir brauchen wohl einen Facharzt.“
Es ist also offiziell, ich bin depressiv. Und das war erst der Anfang, ich befürchte, dass noch ein weiter Weg vor mir liegt. Aber den ersten Schritt, den hab ich getan.