we go out on our own

1 Jahr seit…
…ich in der Küche saß und das Messer umklammerte, als wäre es meine letzte Rettung.
…ich ihm Wörter an den Kopf gebrüllt habe, die mir bis heute nicht leid tun.
…er mir sagte, dass ich mir alles nur einbilde.
…er mich anbrüllte, anschrie, niedermachte…mit Worten.
…ich so viel weinte, dass mir beim Gedanken daran die Augen schmerzen.
…ich lernte, was Hass wirklich bedeutet.

In dem einen Jahr…
…habe ich mich grundlegend verändert.
…habe ich gelernt, dass Wunden zwar verheilen, aber sehr schmerzhaft wieder aufgerissen werden können.
…hat sich an seiner Einstellung nichts geändert.
…ist mir bewusst geworden, dass ich von ihnen nicht abhängig bin.

Ich bin eine eigenständige Person, ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen und meine eigene Meinung haben.
Trotz der großen bösen Welt da draußen.

Wiederkehr

Der Alltag hat mich wieder.
Ich habe sogar meinen Schlafrhythmus wieder im Griff. Bin vorher jeden Tag spätestens um 6 augewacht, kann ich nun normal ausschlafen. Nur, dass ich nun mitten in der Nacht immer mal aufwache, aber solange ich mich erholt fühle am nächsten Morgen, soll mir das egal sein.
Als ich zurück kam, hatte ich das übermächtige Gefühl ich könnte Bäume ausreißen und die Welt bewegen. Jetzt nun aber die ernüchternde Erkenntnis: auch in meinem Kopf ist der Alltag wieder eingekehrt. Das nervt mich wohl am meisten. Und mein Vorhaben was ich mir vor dem Urlaub gesetzt hatte, halte ich mal wieder nicht ein.
Die nächsten Wochen sind geplant: arbeiten, Abiball, in der Stadt bleiben, nach Stockholm fliegen. Ich ein wenig Angst vor der Zeit nach Stockholm, denn dann gibt’s erstmal nichts auf was ich mich freuen könnte. Was so viel heißt wie: mach dir endlich Gedanken um deine Zukunft! Aber dafür bin ich im Moment nicht bereit. Noch hab ich Pläne. Immer Schritt für Schritt, das ist das einzige, was ich in den letzten Monaten gelernt habe. Take it slow!
Und so versuche ich mich auch nicht vom Alltag um den Finger wickeln zu lassen.

Hass gegen einen selbst

Manchmal hasse ich mich selber. Oder dieses etwas in mir, dass mich so sein lässt.
Ihr müsst wissen, früher bin ich furchtbar gerne nach Hause gefahren, es konnte gar nicht schnell genug gehen aus dieser Stadt rauszukommen. Und ich dachte immer es liegt genau an dieser Stadt. Aber es lag einfach daran, dass Zuhause das kleinere Übel war und ich dort für zwei Tage meine eigenen Sorgen vergessen konnte.
Nun ist es aber seit über einem halben Jahr nicht mehr so. Kaum bin ich länger als die üblichen zwei Tage Zuhause, bin ich mit dem Nerven völlig fertig und brauche Ewigkeiten um mich wieder einzukriegen. Heute habe ich so gut wie den ganzen Tag nicht geredet. Denn ich dachte ich platze, wenn ich auch nur den Mund aufmache.
Meine Theorie ist es, dass ich die heile Welt nicht ertrage. Diese heile Welt, die seit diesem verdammten Tag gespielt wird.
Aber meine Wut beschränkt sich nicht mehr nur auf mich, sondern ich lasse sie die anderen auch spüren. Sie rücken mir zu sehr auf die Pelle, und ich werde kurz angebunden (um eben nicht zu platzen) und dann werden die anderen sauer und beleidigt und die Stimmung ist wegen mir im Keller. Wegen meinem Hass gegen mich und gegen alle. Und dafür reicht bei mir schon ein langes Wochenende. Und davon kommen in nächster Zeit so viele.
Ich hasse mich dafür selber, aber ich kann es nicht kontrollieren, ich kann es auch nicht einfach verdrängen, es ist wahnsinnig schnell an der Oberfläche und dann kann ich es nicht mehr ignorieren. Und die anderen müssen darunter leiden.

insomnia

Komischerweise mag ich das Wort. Aber komisch ist es ganz und gar nicht. Und das deutsche Wort dazu klingt dann schon eher verzweifelt: Schlaflosigkeit.
Ich kann schlafen, ich bin ständig müde. Nur fühle ich mich keineswegs erholt. Und es ist wohl auch nicht gesund, dass meine Nacht spätestens um sechs vorbei ist.
In der Woche mag das gehen, da bin ich sowieso schon um 7 auf Arbeit. Ich würde sogar eher hingehen, einfach weil ich schon wach bin.
Aber an Tagen, an denen kein Wecker klingelt und ich ausschlafen könnte. An denen ich meinem Körper mal was gutes tun könnte. Genau an denen bin ich früh um sechs hellwach.
Versuchen wieder einzuschlafen bringt nichts, also geht meist der Fernseher an und Serien flimmern über den Bildschrim. Vielleicht sollte ich die frühen Stunden besser nutzen, aber so weit bin ich noch nicht.
Ich weiß, dass mein Körper es nicht leicht mit mir hat. Ich esse nicht richtig, ich schlafe nicht richtig, ich mache überhaupt nichts richtig mit ihm. Er ist da und ich bin da, aber wir finden nicht zusammen. Ich weiß, ich brauche Hilfe. Aber: ich will keine. Ich sehe im Moment keinen Sinn darin, etwas daran zu ändern. Ich arrangiere mich mit mir selbst.
Und so lange schlafe ich einfach nachmittags urplötzlich ein. Manches im Leben kann man sich eben einfach nicht aussuchen.

I like being alone

Ja, so sieht’s in meinem Inneren aus. Genau so.

Ich hatte immer keine Worte um es zu beschreiben, aber diese treffen es doch ganz gut.
Es ist schlimm, wenn man sich selber dabei beobachten kann, wie man sich verändert. Wie in einem Film, man beobachtet sein eigenes Leben und sieht wie es bergab oder bergauf geht.
Mir sind vorher die Veränderungen nie bewusst gewesen, ich hab sie einfach hingenommen. Doch nun entdecke ich meine eigene Stimme, meinen eigenen Willen. Mir passt nicht mehr alles, was andere machen oder sagen, ich möchte mein eigenes Leben leben. Aber das ist einfacher gesagt, als getan.
Momentan kann ich mich auf nichts konzentrieren, meine Gedanken sind überall und nirgends. Manchmal tagträume ich so sehr vor mich hin, dass ich mich nicht mal mehr an meinen Arbeits- oder Nachhauseweg erinnern kann, ich weiß partout nicht, wie ich auf einmal vor der jeweiligen Tür landen konnte.
Auch auf Gespräche kann ich mich nicht mehr konzentrieren, ich nicke und höre irgendwie auch zu, aber mittendrin merke ich: Shit, was wurde da grad geredet? Komischerweise weiß ich allerdings dann aber auch die richtigen Antworten.
Was meine Arbeit angeht, bin ich aber hochkonzentriert und gebe mein bestes um nicht einen Fehler zu machen. Wahrscheinlich denkt sich mein Kopf da: Hier darfst du es nicht verkacken, hier hängt zu viel dran. Aber Zuhause ist egal, da kannste machen, was du willst.
Und das macht mein Körper anscheinend auch. Erst wird ihm schwindelig, dann hat er Schmerzen und dann lässt er mich nicht ausschlafen. Beispielsweise hätte ich heute normal schlafen können, auch wenn ich Samstagdienst habe, aber bis mindestens acht hätte ich schlafen können. Wann war ich wach? Viertel sechs. Ich hab versucht wieder in den Schlaf zu finden, aber mehr als vor mich hindösen konnte ich nicht. Also hab ich mir Serien angemacht. Ich war todmüde und konnte doch nicht schlafen. Das ist das Fieseste, was es überhaupt gibt. Den einen Tag hab ich mich auf Arbeit im Spiegel gesehen und mich tierisch erschrocken. Ich sehe aus, wie ein Zombie. Einen genaueren Blick in den Spiegel hab ich seitdem nicht mehr gewagt, ich habe tatsächlich Angst vor mir selber.
Dafür konzentrier ich mich einfach auf andere Dinge (soweit es geht). Auf Serien (ja ich weiß!) und auf die anstehende Reise. Für letztere bin ich übrigens bereit, alle Vorkehrungen sind getroffen, ich brauch im Prinzip nur noch losfliegen. Das macht mich zwar etwas nervös, aber angenehm nervös, aufregend nervös.
Das soll’s gewesen sein, als kurze Meldung von mir. Mir geht’s gut, nicht so wie ich mir das vorstelle, aber doch okay.

die kleinen Dinge

Wisst ihr noch die kleinen Dinge, die mich am Leben halten?
Gestern Abend bekam ich einen YouTube-Link von meinem Bruder, hat er gefunden und könnte mir gefallen.

Ich liebe es! Und ich frage mich, woher er es wieder hat.
Ich habe einen klasse Bruder. Und was bin ich für eine Schwester? Eine, die ihm Abiprüfungsaufgaben zum Üben mitbringt und das Kleid für den Abiball schon hat, bevor er es überhaupt in Erwägung zieht, nach einem Anzug zu schauen. Wir sind beide nicht auf der Höhe unserer (psychischen) Gesundheit. Und wir haben beide schlechte und gute Tage. Aber wir sind immer füreinander da. Und darüber bin ich sehr froh.

freaking out

Ich bin mal wieder kurz vorm Durchdrehen. Eigentlich dachte ich, ich hab aus dem letzten Jahr gelernt, aber nein…
Durchdrehen sieht bei mir übrigens so aus: nach außen emotionslos durch die Gegend laufen (emotionsloser als sonst), im Inneren rattert es wie bescheuert. Ich versteife mich dann auf Gedanken und male mir Szenarien aus, die nie im Leben passieren werden…nur halt in meinem Kopf. Mein Schlaf ist auch nicht mehr das, was er mal war und auch sonst.
Ich habe mir jetzt fest vorgenommen, dass ich alles Schritt für Schritt machen werde. Nicht zu weit in die Zukunft denken. Bisher klappt es ganz gut und ich beruhige mich halbwegs.
Und nebenbei schaue ich fein Serien und höre Musik…auch das hilft bei der Beruhigung der Nerven. Etwas.