Hass gegen einen selbst

Manchmal hasse ich mich selber. Oder dieses etwas in mir, dass mich so sein lässt.
Ihr müsst wissen, früher bin ich furchtbar gerne nach Hause gefahren, es konnte gar nicht schnell genug gehen aus dieser Stadt rauszukommen. Und ich dachte immer es liegt genau an dieser Stadt. Aber es lag einfach daran, dass Zuhause das kleinere Übel war und ich dort für zwei Tage meine eigenen Sorgen vergessen konnte.
Nun ist es aber seit über einem halben Jahr nicht mehr so. Kaum bin ich länger als die üblichen zwei Tage Zuhause, bin ich mit dem Nerven völlig fertig und brauche Ewigkeiten um mich wieder einzukriegen. Heute habe ich so gut wie den ganzen Tag nicht geredet. Denn ich dachte ich platze, wenn ich auch nur den Mund aufmache.
Meine Theorie ist es, dass ich die heile Welt nicht ertrage. Diese heile Welt, die seit diesem verdammten Tag gespielt wird.
Aber meine Wut beschränkt sich nicht mehr nur auf mich, sondern ich lasse sie die anderen auch spüren. Sie rücken mir zu sehr auf die Pelle, und ich werde kurz angebunden (um eben nicht zu platzen) und dann werden die anderen sauer und beleidigt und die Stimmung ist wegen mir im Keller. Wegen meinem Hass gegen mich und gegen alle. Und dafür reicht bei mir schon ein langes Wochenende. Und davon kommen in nächster Zeit so viele.
Ich hasse mich dafür selber, aber ich kann es nicht kontrollieren, ich kann es auch nicht einfach verdrängen, es ist wahnsinnig schnell an der Oberfläche und dann kann ich es nicht mehr ignorieren. Und die anderen müssen darunter leiden.

insomnia

Komischerweise mag ich das Wort. Aber komisch ist es ganz und gar nicht. Und das deutsche Wort dazu klingt dann schon eher verzweifelt: Schlaflosigkeit.
Ich kann schlafen, ich bin ständig müde. Nur fühle ich mich keineswegs erholt. Und es ist wohl auch nicht gesund, dass meine Nacht spätestens um sechs vorbei ist.
In der Woche mag das gehen, da bin ich sowieso schon um 7 auf Arbeit. Ich würde sogar eher hingehen, einfach weil ich schon wach bin.
Aber an Tagen, an denen kein Wecker klingelt und ich ausschlafen könnte. An denen ich meinem Körper mal was gutes tun könnte. Genau an denen bin ich früh um sechs hellwach.
Versuchen wieder einzuschlafen bringt nichts, also geht meist der Fernseher an und Serien flimmern über den Bildschrim. Vielleicht sollte ich die frühen Stunden besser nutzen, aber so weit bin ich noch nicht.
Ich weiß, dass mein Körper es nicht leicht mit mir hat. Ich esse nicht richtig, ich schlafe nicht richtig, ich mache überhaupt nichts richtig mit ihm. Er ist da und ich bin da, aber wir finden nicht zusammen. Ich weiß, ich brauche Hilfe. Aber: ich will keine. Ich sehe im Moment keinen Sinn darin, etwas daran zu ändern. Ich arrangiere mich mit mir selbst.
Und so lange schlafe ich einfach nachmittags urplötzlich ein. Manches im Leben kann man sich eben einfach nicht aussuchen.

I like being alone

Ja, so sieht’s in meinem Inneren aus. Genau so.

Ich hatte immer keine Worte um es zu beschreiben, aber diese treffen es doch ganz gut.
Es ist schlimm, wenn man sich selber dabei beobachten kann, wie man sich verändert. Wie in einem Film, man beobachtet sein eigenes Leben und sieht wie es bergab oder bergauf geht.
Mir sind vorher die Veränderungen nie bewusst gewesen, ich hab sie einfach hingenommen. Doch nun entdecke ich meine eigene Stimme, meinen eigenen Willen. Mir passt nicht mehr alles, was andere machen oder sagen, ich möchte mein eigenes Leben leben. Aber das ist einfacher gesagt, als getan.
Momentan kann ich mich auf nichts konzentrieren, meine Gedanken sind überall und nirgends. Manchmal tagträume ich so sehr vor mich hin, dass ich mich nicht mal mehr an meinen Arbeits- oder Nachhauseweg erinnern kann, ich weiß partout nicht, wie ich auf einmal vor der jeweiligen Tür landen konnte.
Auch auf Gespräche kann ich mich nicht mehr konzentrieren, ich nicke und höre irgendwie auch zu, aber mittendrin merke ich: Shit, was wurde da grad geredet? Komischerweise weiß ich allerdings dann aber auch die richtigen Antworten.
Was meine Arbeit angeht, bin ich aber hochkonzentriert und gebe mein bestes um nicht einen Fehler zu machen. Wahrscheinlich denkt sich mein Kopf da: Hier darfst du es nicht verkacken, hier hängt zu viel dran. Aber Zuhause ist egal, da kannste machen, was du willst.
Und das macht mein Körper anscheinend auch. Erst wird ihm schwindelig, dann hat er Schmerzen und dann lässt er mich nicht ausschlafen. Beispielsweise hätte ich heute normal schlafen können, auch wenn ich Samstagdienst habe, aber bis mindestens acht hätte ich schlafen können. Wann war ich wach? Viertel sechs. Ich hab versucht wieder in den Schlaf zu finden, aber mehr als vor mich hindösen konnte ich nicht. Also hab ich mir Serien angemacht. Ich war todmüde und konnte doch nicht schlafen. Das ist das Fieseste, was es überhaupt gibt. Den einen Tag hab ich mich auf Arbeit im Spiegel gesehen und mich tierisch erschrocken. Ich sehe aus, wie ein Zombie. Einen genaueren Blick in den Spiegel hab ich seitdem nicht mehr gewagt, ich habe tatsächlich Angst vor mir selber.
Dafür konzentrier ich mich einfach auf andere Dinge (soweit es geht). Auf Serien (ja ich weiß!) und auf die anstehende Reise. Für letztere bin ich übrigens bereit, alle Vorkehrungen sind getroffen, ich brauch im Prinzip nur noch losfliegen. Das macht mich zwar etwas nervös, aber angenehm nervös, aufregend nervös.
Das soll’s gewesen sein, als kurze Meldung von mir. Mir geht’s gut, nicht so wie ich mir das vorstelle, aber doch okay.

Gelesenes im Februar und März ’14

Ich habe gerade festgestellt, dass ich die Lesestatistik etwas schleifen gelassen habe. Aber: auch das Lesen habe ich schleifen gelassen. Mir fehlt momentan einfach die Konzentration. Entweder finde ich etwas anderes spannender oder ich schlafe einfach ein. Wobei mir auffällt: ich schlafe in letzter Zeit ziemlich oft einfach so ein. Hmmm. (Ist es eigentlich Hmmm oder Mmmmh?)
Jetzt will ich zumindest die Bücher von den letzten beiden Monaten vorstellen.

Februar 2014
1. Julie Kibler : Zu zweit tut das Herz nur halb so weh (316 S.)
Eine Geschichte von zwei Frauen aus den Staaten, Miss Isabelle, eine alte Dame in ihren 90ern, und Dorrie, ihre junge Friseurin. Miss Isabelle bittet Dorrie um eine Reise, eine Art Roadtrip. Dabei erzählt sie ihr nach und nach die Geschichte ihrer großen Liebe, einem dunkelhäutigen Jungen, was natürlich so in der damaligen Zeit nicht ging. Eine tief bewegende Geschichte, bei dir ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen.

gelesene Bücher: 1
gelesene Seiten: 316
gelesene Seiten pro Tag: 11

März 2014
1. Kai Blum : Fettnäpfchenführer USA (256 S.)
Ich brauchte etwas leichtes für Zwischendurch und da war der Fettnäpfchenführer perfekt. Der Autor hat ein Reisetagebuch von Torsten und Susanne (so nennt er sie) im Müllereimer am Flughafen Detroit gefunden. Diese Einträge benutzt er nun, um alle Fettnäpfchen aufzuführen. Wirklich interessante Sachen dabei, konnte sogar etwas lernen. Nur dieser Torsten hat mir aufgeregt. Man fährt doch in kein fremdes Land um dann davon auszugehen, dass alles wie in Deutschland ist und alle sich bitte nach ihm richten sollen. Argh, bei sowas geht mir die Hutschnur hoch. Aber sonst wirklich interessant.

2. Elisabeth Elo : Die Frau, die nie fror (505 S.)
Das dicke Buch, das Grund für die tiefe Leseflaute ist. Eine Rezension habe ich dazu ja schon verfasst.

gelesene Bücher: 2
gelesene Seiten: 761
gelesene Seiten pro Tag: 25

Ich hoffe, dass ich bald auf diesem tief rauskomme. Ich lese doch so gerne.