Stille Menschen

„Wie war dein Tag?“, fragt der extravertierte Gesprächspartner. Der Introvertierte denkt nach: Wie war mein Tag denn, was ist alles passiert? – und schweigt erst einmal. Dies fasst der andere als Aufforderung zum Weiterreden auf. „ich hatte einen verrückten Tag, beinahe hätte ich einen Unfall gebaut, und dann hat mir auch noch der Chef ein neues Projekt auf den Tisch gelegt.“ Schon wieder neue Informationen! Der Introvertierte kann nicht weiter darüber nachdenken, wie denn sein Tag war, er ist verwirrt – und schweigt weiter. Was vom Gesprächspartner wiederum missverstanden wird … Solange der Introvertierte nicht selbst das Wort ergreift, wird der andere ihn zutexten. Aber wenn der Gesprächspartner keine Pausen macht, kann der Introvertierte keinen vernünftigen Gedanken fassen – und bleibt still. Irgendwann resigniert er und hört nur noch zu.
[…]
Ob im Beruf oder im Privatleben – introvertierte Menschen haben es verdient, dass sie in ihrer Art ebenso respektiert werden wie andere, die eher zu den „Solarzellen“ (Extravertierte) gehören. Denn Introversion ist keine Wahl, es ist auch kein Lebensstil, sondern eine Persönlichkeitseigenschaft, die nicht verändert werden kann – und auch nicht verändert werden muss. Verändern aber könnten sich die Nichtintrovertierten – zum Beispiel indem sie Menschen mehr Verständnis und Geduld entgegenbringen, für die Rückzug und Ruhe erstrebenswerter sind als Trubel und Geselligkeit.

(aus „Psychologie heute“ 01/2011)

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